Im Jahre 1887 erscheint das erste Abenteuer von Sherlock Holmes. «Eine Studie in Scharlachrot». Holmes schliesst in dem Buch Bekanntschaft mit seinem zukünftigen Biographen, Dr. Watson. Geistiger Vater dieses nunmehr in die Literaturgeschichte eingehenden Duos ist der Engländer Sir Arthur Conan Doyle, der auf einem kleinem Umweg zur Schreiberei kommt. Als junger Arzt eröffnet er im südenglischen Southsea eine Praxis, doch wartet er vergeblich auf Kundschaft. Dafür findet er Zeit, sich intensiver mit seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu befassen, und kreiert in der Folge die Romanfigur Sherlock Holmes.
Anfang der 1890er Jahre trifft er dann den Entschluss, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen, verfasst historische Novellen und erinnert sich seines Krimihelden. Sein Konzept ist einfach und genial zugleich: Arthur Conan Doyle will mit Sherlock Holmes eine eigentliche Serienfigur schaffen, die in der Kurzgeschichte einen Fall löst. Der Detektiv lebt durchwegs in denselben Räumlichkeiten an der Baker Street in London, sein steter Gefährte ist Dr. Watson. Es gelingt ihm seinen Figuren Leben einzuhauchen. Die ersten zwei Dutzend Kurzgeschichten überraschen immer wieder mit Querverweisen auf bereits gelöste Fälle. Die Geschichten erscheinen ab1891 im «Strand Magazine», einer populären Monatszeitschrift, die mit den Holmes-Geschichten zu Englands auflagenstärkstem Groschenheft avanciert. Sherlock Holmes findet jetzt Zugang zu einem Millionenpublikum. Der Leserschaft fällt es schwer, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Sicher auch deshalb, weil es der Autor versteht, seinen Helden in eine Welt zu setzen, in der sich jeder Leser wiedererkennen kann: das Viktorianische London.
Ausgerechnet die Schweiz ist Schauplatz des (vorläufigen) Todes des Krimihelden: Sherlock Holmes stürzt am 4. Mai 1891 nach einem Zweikampf mit seinem Erzfeind, Professor Moriarty, den Reichenbachfall im Berner Oberland hinunter. Der «Tod» macht den Meisterdetektiven noch realer. In der Londoner Innenstadt werden schwarze Trauerbinden getragen, erzürnte Leser beschweren sich bei Doyle («Sie Biest!»), und George Newnes, der Herausgeber des «Strand Magazine», zerbricht sich den Kopf, wie er seinen Aktionären das Ableben des Zugpferdes seines Verlages erklären will. Im Herbst 1903 kann Newnes die Auferstehung von Sherlock Holmes verkünden. Doyle hat den verlockenden Angeboten nicht mehr widerstehen können und lässt seinen Helden aus der Schweiz nach London zurückkehren. Der Erzfeind von Holmes, Professor Moriarty, stirbt jedoch beim Reichenbachfall definitiv. Es folgen noch insgesamt 32 Kurzgeschichten und ein Roman. Das Gesmatwerk umfasst heute 60 Erzählungen.
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